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"It´s tea time, my dear!" - Mein Jahr in England als Aupair

Kleines Update

Schon wieder ist eine ganze Zeit vergangen, seitdem ich zuletzt geschrieben habe. 

Der Hauptgrund ist, dass ich in den letzten Wochen immer mehr mit mir und den Jungs und der ganzen Arbeit hier gehadert habe.

Möchte ich so das ganze Jahr verbringen? Eine halbwegs gute Beziehung zu dem einen Kind und zu dem anderen gar keine bzw eine schlechte? Möchte ich jeden Tag aufs neue ignoriert werden (egal von welchem Familienmitglied) und/oder rumkommandiert und unangemessen behandelt werden? Sollte ich mich einfach damit abfinden?

Klar geworden ist, dass ich mich damit nicht abfinden will und auch nicht kann, weil es mir zunehmend schlechter geht. Also habe ich tatsächlich beschlossen, mich aktiv nach einer anderen Familie umzuschauen. Ich habe in diverse WhatsApp Gruppen geschrieben, in meine Story bei Instagram gepostet und ein Profil auf "Aupairworld" erstellt. Das ist eine Seite, bei der sich Gastfamiien sowie Auapirs anmelden können; sowas wie eine Dating Seite, wo man eben die Profile aller pasenden Famillen/Aupairs ansehen kann und Kontakt aufnehmen kann. Im Grunde wie bei einer Agentur nur das man nichts bezahlt ind direkt persönlich mit dem anderen in Kontakt steht.

Das Ding ist, dass ich eigentlich ganz gern in Sevenoaks bleiben würde, wegen meiner Freunde, dem Sprachkurs und den Gym. Das hat sich allerdings als sehr sehr schwierig raus gestellt bzw jetzt unmöglich. Ich stand mit zwei Familien in Kontakt von hier, eine hat mir abgesagt und einer ich.  Diese Woche habe ich mit drei Familen gesprochen, zu einer fahre ich morgen um die Kinder kennenzulernen und zu der anderen nächste Woche. Beide sind allerdings in London, eine in Beckenham und eine in Wembley. Auf der einen Seite reizt es mich auch irgendwie nach London zu "ziehen", denn die Großstadt bzw das Großstadtleben vermisse ich doch inzwischen ziemlich. Auf der anderen Seite ist beides zu weit von Sevenoaks entfernt, um hier irgendwas weiter zu machen. Meine Freunde könnte ich natürlich trotzdem sehen, entweder in London oder Sevenoaks aber es wäre nicht mehr das gleiche.

Außerdem habe ich am Donnerstag endlich mal mit meiner Gastmutter über die ganze Situation gesprochen. Seitdem ich mit dem Gedanken spiele zu wechseln, habe ich gemerkt, wie ich immer unmotivierter werde, hier zu arbeiten. Ich hab also das Thema Guy angesprochen, dass ich das Gefühl habe, dass er mich nicht mag. Sie hat das bestätigt und gleichzeitig gemeint, dass es ihm andersherum aber auch so geht, sprich er denkt, dass ich ihn nicht mag.

Ich hab da vorher nicht wirklich drüber nachgedacht, aber ja, das stimmt leider auch. Sie meinte dann, dass er ja auch nur gemocht werden will und so und dass wir nochmal einen Neustart machen sollen. Sprich wir uns beide Mühe geben, mit dem anderen besser klar zu kommen. Ich habe und tue es im Grunde immer noch, lange über ihre Worte und das Gespräch nachgedacht.                                                                                                                                      Ist es nach fast drei Monaten wirklich möglcih, nochmal komplett von vorne anzufangen, nachdem wir so einen schlechten Start hatten? Und war es nicht im Grunde von Anfang an schwierig? Ich hab überlegt, wann es so richtig schlimm geworden ist mit ihm, ich kann mich nicht dran erinnern. Da waren ein paar Sachen, wo er mich zur absoluten Verzweiflung gebracht hat, ich heulend vor meiner Gastmutter am Küchentisch saß, als ich ihr davon erzählt habe. Und das war schon nach zwei, drei Wochen.                                                                                                                  Ich weiß, dass auch ich mich ihm gegenüber nicht immer nett verhalten habe, und wenn ich darüber nachdenke, bin ich auch ein bisschen von mir selbst schockiert. Ich verhalte mich ihm gegenüber komplett anders als ich sonst bin mit Kindern. Ich bin ungeduldig und komme mega schnell auf 180 ohne dass ich das noch wirklich gemerktt habe in den letzten Wochen. Es ist erschreckenderweise zur Normalität geworden und immer, wenn ich mir vorgenommen habe, ruhig zu bleiben, hat er es doch wieder geschafft mich auf die Palme zu bringen.

ich bin wirklich leicht verzweifelt. Und selbst wenn es jetzt besser wird, wie lange soll ich ihm und mir geben, unsere Beziehung zu verbessern? Denn wenn ich wirklich wechseln sollte, dann muss und will ich eine Entscheidung bald treffen, um auch meiner aktuellen Gastfamilie Zeit genug zu geben, nach einer geeigneten Nachfolgerin zu suchen.

Nun ja. Wie auch immer ich mcih enstcheiden werde, ich halt Euch auf dem Laufenden...:)

 

 

 

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Unterschiede zwischen Deutschland und England

In diesem Eintrag möchte ich gerne auf große Unterschiede zwischen dem Leben in Deutschland und in England eingehen.

Schulsystem

Einen Kindergarten in dem Sinne wie er bei uns existiert gibt es hier nicht. Die ganz Kleinen können in die nursery gehen. Das ist das was einem deutschen Kindergarten noch am nächsten kommt. Doch auch da lernen die Kids schon mehr Dinge als bei uns in dem Alter. Mit vier Jahren kommt man dann in die Primary School, also Grundschule. Die geht bis zur 6. Klasse, also bis zum 10./11. Lebensjahr, danach geht es auf die Secondary School.

Schuluniform

Jede Schule hat natürlich ihre eigene Uniform und ihre eigene Farbe, in der diese gehalten ist. Generell scheint es zumindest hier so zu sein, dass die Mädchen nur Röcke bzw. Kleider aber keine Hosen tragen dürfen.

An der Grundschule von Ollie ist die Uniform blau. Alle Kinder (egal ob Junge oder Mädchen) tragen ein hellblaues Polo-Shirt mit dem Wappen der Schule auf der Brust. Dazu gibt es einen dunkelblauen Jumper, also einen Pulli ebenfalls mit dem Schullogo. Die Jungs tragen graue Hosen, kurz oder lang, dazu graue Socken und schwarze Schuhe. Die Mädchen können sich entscheiden, entweder einen dunkelblauen Faltenrock, ein hellblau-kariertes Kleid oder dunkelblaues Kleid anzuziehen. Dazu dunkelblaue oder weiße Kniestrümpfe und ebenfalls schwarze Schuhe. (Ich wäre als acht/neun jährige ja sehr gern so rumgelaufen :D). Der Schulruckack kann wahlweise auch von der Schule sein oder selbst ausgesucht.

Guy geht auf eine private Jungenschule, bei der die Uniform dementsprechend „komplizierter“ ausfällt. Er muss ein graues Hemd tragen, darüber einen Jumper und dann noch einen Blazer sowie Krawatte. Dazu graue Hosen und schwarze Schuhe.

Generell werden die Sachen allerdings nicht von der Schule gestellt (wie ich das angenommen hatte), sondern jede Familie muss die Sachen selbst kaufen. In Sevenoaks gibt es einen extra Laden für die Uniformen aller Schulen des Ortes.

Mülltrennung

Ist etwas, das hier nicht wirklich existiert, leider. Meine Gastfamilie (und andere auch) haben einen „normalen“ Müll für gefühlt alles, abgesehen von Plastik und Papier. Für beides gibt es eine gemeinsame separate Tonne, die sich „recycling bin“ nennt. Meine Gastkinder benutzen die allerdings so gut wie gar nicht, sondern schmeißen trotzdem einfach alles in den normalen Müll.

Umgangsart

Dass die Engländer sehr höflich sind, ist ja allgemein bekannt. Doch es überrascht mich immer wieder WIE höflich und aufmerksam die Menschen sind. Ein gutes Beispiel ist folgendes: Als ich das erste Mal allein mit dem Auto in die Stadt gefahren bin, war super nervös und aufgeregt. An einer roten Ampel klopft es auf einmal an meine Scheibe und der Fahrer vom Wagen hinter mir steht dort. Mir ist in dem Moment fast das Herz in die Hose gerutscht, so einen Schock habe ich bekommen und so viel Angst hatte ich, dass er mich jetzt wegen sonst etwas anmeckert. Aber nein. Als ich meine Scheibe runterließ, meinte er in einem ganz entspannten Ton: „Ist Ihnen schon aufgefallen, dass ihr Hinterreifen fast platt ist?“ Ich war im ersten Moment echt perplex, denn ich hatte wirklich mit allem (negativen) gerechnet, aber damit nicht.

Es sind also wirklich so kleine Dinge, die den Unterscheid machen. Menschen entschuldigen sich, wenn sie dich nicht gesehen und deswegen die Tür nicht aufgehalten haben.  Männer jeden Alters halten Frauen generell die Türen auf.

Eine gute Freundin von mir war bis vor kurzem in den USA als Au-pair und sie meinte, nachdem sie zurück in Deutschland war, dass sie diese ganzen mürrischen Gesichter hier so auf die Nerven gehen. Natürlich ist die Freundlichkeit hier nicht immer echt und ehrlich gemeint. Ich finde es nach wie vor befremdlich, wenn die Verkäuferin im Supermarkt mich „my love“ nennt. Doch es viel angenehmer als die deutsche „Ehrlichkeit“ in dem Sinne und speziell die ruppige, direkte Art der Berliner.

Auto fahren

Auch beim Autofahren sind die Engländer (meistens) super aufmerksam und geduldig. Da es kein Rechts-vor-Links-System gibt, ist ein gewisser Grad an Aufmerksamkeit absolut notwendig, um keinen Unfall zu bauen. Aber abgesehen davon, bedanken sie sich immer mindestens einmal per Handzeichen, und lassen einen ohne Probleme dazwischen oder warten, bis man vorbeigefahren ist.

Anderes

Etwas, das wirklich auffällig ist: Es gibt kaum Mülleimer im öffentlichen Raum. Wo du in Deutschland n jeder Ecke einen findest, suchst du hier erstmal ein paar Minuten. Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass es mehr Briefkästen als Mülleimer gibt. :D

 

So viel für heute. Es gibt noch mehr Dinge, die mir aufgefallen sind, da ich mir das aber nicht aufschreibe, vergesse ich einiges auch wieder. Zu diesem Thema wird es früher oder später definitiv noch einen Eintrag geben! 😊

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Das Leben in meiner Gastfamilie

Nun kommt der zweite Eintrag doch deutlich später, als geplant. Letzte Woche hat mich ein unerwartetes Ereignis zuhause in Deutschland ziemlich mitgenommen, weswegen ich nicht dazu in der Lage war, etwas zu schreiben.

Eine der Fragen, die ich am häufigsten zu hören bekomme ist: „Wie ist denn deine Gastfamilie so? Gefällt es dir?“ Leider kann ich diese Frage nicht mit einem knappen „Ja, es ist alles großartig!“ beantworten, so gerne ich es tun würde. Die Sache ist deutlich komplizierter.

Die Kinder

Schon in den ersten paar Tagen hier ist klar geworden, dass die Jungs bestimmt nicht die einfachsten sind. Beide haben definitiv Aggressionsprobleme, die bei unterschiedlichsten Sachen durchaus schnell zum Vorschein kommen können.

Dabei sind die Beiden eigentlich in vielen Dingen sehr verschieden. Während Guy (der 10-jährige) von Natur eher ruhiger ist und gern für sich ist, sehr gut in fast allen Sportarten und sich ziemlich vor-pubertär verhält (d.h. er weiß außerhalb von diversen elektronischen Geräten und Sport nicht mehr wirklich viel mit sich anzufangen, hat Stimmungsschwankungen und ist von allem und jedem genervt, insbesondere mir), ist Ollie mit seinen acht Jahren noch ein „richtiges“ Kind. Er ist relativ aufgeschlossen (plappert viel vor sich hin und erzählt andauernd was) und involviert jeden sofort in seine (imaginären) Spiele. Lego ist sein Ein und Alles und dementsprechend viel davon besitzt er, überall im Haus verteilt.

In den ersten zwei Wochen war ich oft verzweifelt und absolut am Ende, was die beiden angeht. Die Erziehung, die die Jungs genießen, ist in keinster Weise konsequent und dementsprechend benehmen sie sich, sowohl gegenüber ihren Eltern als auch mir. Hinzu kam natürlich, dass sie erstmal ausgetestet haben, wo bei mir die Grenzen sind, wie weit sie also gehen können. Dieses Verhalten war für mich absolut ungewohnt, denn meine Nachbarskinder bei denen ich das letzte halbe Jahr babysitten war, sind das komplette Gegenteil von denen und wie ich nun weiß absolute „Traumkinder“ gewesen. Inzwischen habe ich mich an vieles gewöhnt bzw. weiß wie ich damit umgehen kann. So habe ich nach nun sechs Wochen das Gefühl, dass sich so langsam eine Art Vertrauensverhältnis zwischen mir und dem Kleinen aufbaut. Davon kann bei dem Großen leider keine Rede sein, jede Woche hadere, diskutiere und streite ich mich mit ihm aufs Neue und unser Verhältnis wird eher schlechter als besser (so zumindest mein aktuelles Gefühl).

Die Eltern

Meine Gasteltern sind auch etwas speziell. Mir war schon bevor ich hier her gekommen bin bewusst, dass die Familie, für die ich mich entschieden habe, nicht die oft von den Agenturen so angepriesene „Du-bist-Teil-unserer-Familie“-Verhältnis mit ihrem Au-pair lebt. Das war für mich aber in Ordnung, denn auf der anderen Seite hatte ich Sorge, dass ich, die gerne auch mal ein bisschen für sich ist, dann immer gezwungen wäre, alles mit der Gastfamlile zu teilen und mitzumachen.

Trotzdem bin ich davon ausgegangen, dass zumindest ein bisschen Interesse an mir und meinem Leben daheim in Deutschland gezeigt wird, Dies ist überhaupt nicht der Fall, und wie ich so bin, habe ich lange gedacht, das läge an mir, da ich ja nun auch nicht die Person bin, die jedem Dahergelaufenen sofort ihre halbe Lebensgeschichte erzählt. Nachdem meine Gastmutter aber den wirklich perfekten Moment nicht dazu genutzt hat, irgendein Interesse an mir zu zeigen, ist mir endgültig klar geworden, dass es sie schlicht und einfach nicht interessiert, was nichts mit mir persönlich zu tun hat. Ich lebe also eher in einem Arbeitnehmer-Verhältnis mit der Familie, wenn auch unter dem gleichen Dach. Nach einem kurzen Schock habe ich mich inzwischen halbwegs arrangiert, obwohl es definitiv nicht dem entspricht, was ich mir vorher vorgestellt habe. An sich sind die beiden aber ganz okay. Der Vater ist älter als mein eigener und ruht in sich. Vergangenen Freitagabend habe ich mich das erste Mal mit ihm richtig unterhalten, er zeigt also nch eher Interesse an meinem Leben als seine Frau. Die Mutter ist reserviert, aber freundlich und meine Ansprechpartnerin bei Fragen und Sorgen.

Das Haus

Das Haus in dem ich lebe, ist schon verhältnismäßig alt. Von außen sieht es alles andere als spekatkulär aus, noch nicht mal besonders groß. Es zieht sich allerdings etwas nach hinten, so dass gerade der Küchen-, Ess-, Wohnbereich sehr geräumig ist. Die Zimmer sind alle relativ klein, dafür gibt es einen wirklich riesigen Garten, mit allem darin, wovon man als Kind nur träumen kann.

Mein Zimmer ist klein aber fein, es ist (dank zwei großen, sehr dünnen Fenstern) wunderschön hell und hat alles, was man so braucht. Ich hab sogar einen eigenen Fernseher, den ich bisher allerdings noch nicht wirklich benutzt habe, da ich meist auf meinem Laptop Netflix gucke.

Außerdem gibt es noch zwei weitere Bewohner: die Katze Blue (die seit vergangener Woche nun doch auch öfter mal in mein Zimmer kommt) und den Hund Charlie. Ich bin ja nun wirklich kein Hunde-Fan, aber der ist echt süß! Zumal auch erst ein halbes Jahr alt und dementsprechend verspielt. Nur die Katze kann er überhaupt nicht leiden, jedes Mal wenn er sie zu fassen bekommt, sieht es so aus, als ob er sie töten wollen würde…kooperieren tun die Beiden nun seit Neuestem wenn es darum geht Mäuse zu fangen

Angestellte

Wenn wir Anfang des 20. Jahrhunderts leben würden, wäre ich eine von mehreren Angestellten in diesem Haus (ich stelle mir das so wie bei "Downton Abbey" vor... Neben mir, die für die Kinder zuständig ist. gibt es natürlich die "Cleaners", die einmal pro Woche kommen und das Haus sauber machen, dann noch eine Frau, die den Hund tagsüber immer Gassi führt und eine Art Gärtner, der einmal die Woche kommt und zumindest immer den Rasen mäht. Fensterputzer (nur von außen) waren auch schon mal hier...Es ist nicht so, dass die Famlie groß raushängen lässt, dass sie Geld haben (es gibt z.B. keine super teuren Autos), aber an solchen Sachen merkt man es dann schon.

 

Um die Eingangsfrage nun doch noch zu beantworten: Generell gefällt es mir ganz gut. Ich habe ein schönes Zimmer, ein Auto, das ich fast immer nutzen kann und schon ein paar Freunde gefunden, die es mir sehr viel leichter machen, den normalen Alltag und den Umgang mit Guy Woche für Woche neu zu überstehen. Es geht aber defintiv besser und ich hoffe, dass das irgendwann kommt!!

 

 

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Der erste Monat ist um...

Hallo ihr Lieben!

Nun hab ich mich doch noch dazu entschieden, einen Blog über mein Leben in England zu schreiben. Nach meinen Erfahrungen im letzten Jahr musste ich hier erstmal gucken, wie es mir gefällt und quasi "sicher gehen", dass ich es hier ein Jahr lang aushalte. Und auch wenn hier bestimmt nicht alles perfekt ist, ist es ein ganz anderes Gefühl als letztes Jahr in Kanada, zumal ich von vorneherein auch anders an die Sache ran gegangen bin. In diesem ersten Blogeintrag versuche ich Euch einen ersten Einruck von meinem Alltag und dem Leben hier zu geben, auf verschiedene andere Themen werde ich dann in späteren Einträgen eingehen, um das Ganze hier nicht ausarten zu lassen.

Nun sind schon vier Wochen vergangen, seitdem ich mich von allen und allem zu Hause für längere Zeit verabschiedet habe. Mein Ziel: England. Das Land von Shakespeare, den Beatles, Fußball und der Queen.            Und doch nicht ganz so weit weg von Deutschland, eine einzige Stunde Zeitverschiebung und (zumindest bis Anfang nächsten Jahres noch) Teil der EU.

Als Aupair lebe ich nun bei einer Familie in Sevenoaks, einem sehr wohlhabenden Vorort von London (mit dem schnellsten Zug dauert es 30 Minuten in die City), in der Grafschaft Kent. Ich passe auf zwei Jungs auf: Guy (10 Jahre alt) und Ollie (8 Jahre alt). Und ich muss ehrlich sagen, dass ich anfangs doch einen kleinen "Kulturschock" hatte. Das klingt vielleicht etwas übertrieben, ich kann es aber nicht anders beschreiben, denn es war doch sehr vieles anders als ich es gewohnt war und kannte. Abgesehen von so offensichtlichen Dingen wie dem Linksverkehr, war es vor allem das Famlienleben und die Art wie die Jungs erzogen werden und was sie alles in ihrem Alter schon dürfen (vor allem auf die Nutzung von diversen elektronischen Geräten bezogen).

Der Alltag

Meine Aufgaben morgens sind es, den Jungs Frühstück zu machen, Ollies Lunchbox vorzubereiten und ihn zur Schule zu bringen. Guy muss schon früher los, deswegen bringen ihn meist die Eltern auf dem Weg zur Arbeit weg. Um kurz vor neun fängt die Schule von Ollie an, danach habe ich bis 14:45 Uhr Freizeit. Schulschluss ist um viertel nach drei, dann gehen wir meist noch in den nahe gelegenen Park, wo Ollie mit seinen Freunden spielt und müssen dann entweder direkt weiter, um Guy abzuholen, der um 16:20 Uhr Schluss hat oder können erst noch nach Hause fahren und später nochmal los (Guy hat zwei Mal in der Woche "Prep", wo er bis 17:10 Uhr in der Schule ist und dort seine Hausaufgaben machen kann). Dann muss ich die Beiden beaufsichtigen, eventuell bei Hausaufgaben helfen und Tea (also Abendbrot) zubereiten. Danach kommen die Eltern meist oder, wenn vorher abgesprochen, bringe ich sie noch ins Bett (Babysitten an zwei Abenden in der Woche ist im Vertrag mit drin).

Meine neu gewonnene Freizeit während des Tages habe ich in der ersten Schulwoche ehrlich gesagt mit sehr viel Netflix und wenigen anderen Aktivitäten gefüllt. Da wir uns allle einig waren erstmal zu gucken, was der neue Alltag so mit sich bringt, habe ich mich noch nicht wirklich mit anderen Aupairs getroffen. Diese Woche ist aber nun dafür umso mehr busy, ich treffe mich jeden Tag mit neu gewonnenen Freunden und anderen Aupairs, habe ich mich mit einer Freundin (wie so viele hier aus Deutschland) im Gym angemeldet und hatte das erste Mal Sprachkurs. Tatsächlich muss ich im Moment gucken, dass ich die eine Stunde "leichte Hausarbeit", sprich waschen und bügeln (nur die Klamotten der Jungs), Spülmaschine aus-/einräumen und eben kochen irgendwie gut in meinem Tagesablauf unterkriege. All das wird sich wahrscheinlich mit etwas mehr Zeit einspielen.

An den Wochenenden habe ich generell frei, sprich genug Zeit, das Land zu erkunden. Im Moment hat London noch eine sehr starke Anziehungskraft auf uns, und ich hab als "Großstadtkind" dann auch irgendwie immer das Bedürfnis, mal wieder ein bisschen mehr zu erleben und zu sehen als schöne Landschaften, Dörfer, kurvige Landstraßen und Kleinstadt. 

Freunde und Anschluss finden

Aupairs gibt es in Sevenoaks und Umgebung wirklich viele und dank verschiedener WhatsApp-Gruppen und anderen Portalen, war und ist es nicht wirklich schwer Anschluss zu finden. Schon vor meiner Abreise hatte ich mit drei deutschen Mädels Kontakt und wir haben hier schon ein paar Sachen zusammen unternommen. Außerdem gibt es Freitag abends im "Wetherspoon´s"  (eine Pub-Kette, mit sehr günstigen Preisen) ein Treffen von allen Aupairs in Sevenoaks. 

Im Nachbarort gibt es im dortigen "Wetherpoon´s" eine Gruppe von Nicht Native Speaker die eben dort wohnen und sich (von der Kirche aus) wöchentlich treffen. Das war super interessant, denn erstens waren es nicht nur Aupairs dort, sondern wirklich Menschen aus unterschiedlichsten Lebenslagen und Ländern. Am Ende wurde beschlossen, dass man ja eine Art Reisegruppe gründen könnte, um zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten in ganz Großbritannien zu fahren, mehr als eine WhatsApp-Gruppe ist aus dem Vorhaben aber auch noch nicht geworden...

Sprachkurs

Unabhängig von dem persönlichen Sprachlevel, ist es hier üblich einen Sprachkurs zu besuchen. Da ich schon das fünfte Aupair in meiner Gastfamilie bin, hat meinen Hostmum schon ein paar Kontakte und mir so einen Platz in einem Sprachkurs gesichert, weshalb ich mich in dieser Hinsicht um nichts kümmern musste. Außerdem gibt es die Möglichkeit, am Ende des Jahres das Cambridge Certificate zu machen, mit dem man dann (rein theoretisch) in Großbritannien studieren könnte. Allein die Aussicht auf diese Möglichkeit, plus mal wieder richtig zu lernen (nach eineinhalb Jahren ohne Schule vermisse ich das fast ein bisschen) haben mich davon überzeugt, da definitiv drauf hin zu arbeiten! 

Linksverkehr

Eines der Themen, was mir schon vor meiner Abreise mit am meisten Sorgen gemacht hat, da ein großer Teil meiner Arbeit darin besteht, die Jungs von A nach B zu fahren. Da das Haus meiner Gastfamilie etwas außerhalb von der Stadt liegt (in einem Teil mit dem romantischen Namen Dunton Green), ist man hier auf ein Auto angewiesen, denn wirklich anders kommt man nicht weg. Meine Gastmutter hat mir quasi zwei "Fahrstunden" gegeben, wo wir zuerst in eine ruhige Wohngegend gefahren sind und ich mich dann erstmal in aller Ruhe an das Fahren und Sitzen auf der anderen Seite gewöhnen und mich etwas ausprobieren konnte. Das Fahren war dann auch weniger das Problem als manche Verkehrsschilder und -regeln, die anders als in Deutschland sind und die ich deswegen nicht kannte. Dank einer deutschen Bekannten hier, die eine "echte" Fahrstunde mit einem Fahrlehrer hatte, habe ich diese Besonderheiten dann aber auch relativ schnell gelernt. Ein Beispiel sind langgezogene Dreiecke, die am Ende der Sraße auf den Asphalt gemalt sind, die tatsächlich "Vorfahrt gewähren" bedeuten, also doch recht wichtig zu wissen sind. Allgemein fühle ich mich inzwischen aber echt sicher beim Fahren und es macht mir sogar Spaß, was zu Hause nicht so unbedingt der Fall war. Abgesehen vom Parken klappt das meiste auch echt gut, an das Benutzen der Handbremse habe ich mich auch relativ schnell gewöhnt. Das mag total komisch klingen, aber in Berlin braucht man die einfach nicht (ich habe das noch nicht mal in der Fahrschule gelernt)!

Ausflüge

Wie schon erwähnt, sind wir die letzten drei Sonntage immer nach London gefahren, das erste Mal zum Notting Hill Carnival (wo es so geregnet hat, dass wir nach einer halben Stunde uns das nächste Cafe gesucht haben), und die Wochenenden danach das typische Touri-Programm: Tower Bridge, Tate Modern, Millenium Bridge, Camden Town, Buckingham Palace usw. Die Stadt gefällt mir einfach richtig gut und es ist schön mit jedem neuen Besuch ein bisschen mehr Ahnung davon zu bekommen, wo was liegt und mit welcher U-Bahn Linie man dort am besten hin kommt. 

Vergangenen Samstag sind wir nach Chislehurst gefahren, ein Vorort von London in dem die Chislehurst Caves liegen. Das sind unterirdische Höhlen, die schon seit Ewigkeiten existieren, aber dadurch bekannt geworden sind, dass während des 2. Weltkriegs dort bis zu 15.000 Menschen Schutz vor den Bomben gefunden haben. Auf unserer geführten Tour waren die einzige Lichtquelle ein paar Öllampen, jede Kleingruppe durfte eine mit hinunter nehmen. Irgendwann musste man die Lampen abgeben und konnte quasi fühlen, wie es den Menschen damals gegangen sein muss. Der Guide ist dann weg gegangen und hat eine Trommel geschlagen, die so laut war, wie es sich angehört haben muss als die Bomben um einen herum gefallen sind. Vor allem war es so dunkel, dass man wirklich die Hand vor Augen nicht mehr sehen konnte.

 

Das wars für´s erste. Wenn ihr Fragen, Anregungen, Verbesserungstipps habt, dann lasst mir die gern zu kommen. Ich (oder besser mein Computer) habe leider noch ein Problem damit, Bilder einzufügen, aber ich vesuche das zu lösen, dass beim nächsten Mal auch was zum angucken dabei ist :)

 

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