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Endgültiger Abschied von meiner Gastfamilie

Nun ist der November auch schon rum und in den letzten zwei Wochen ist hier so viel passiert, dass ich gar nicht richtig weiß, wo ich anfangen soll.

Entschluss zum Familienwechsel und damit eingehende Probleme

Zunächst einmal habe ich mich tatsächlich dazu entschlossen, die Familie zu wechseln. Auch habe ich meine Familiensuche dann auf London ausgeweitet, das gab mir mehr "Auswahlmöglichkeiten" an Familien und außerdem sind meine Freunde aus Sevenoaks dann noch immer recht einfach zu erreichen.. Mein größtes Problem war dann erstmal, diese Nachricht meiner Gastmutter mitzuteilen. ich hatte am Dienstag mal wieder mit meiner Agentur gesprochen, die das Ganze quasi das erste Mal "laut ausgesprochen" hat. Damit war dann aber auch der Druck da, mit meiner Gastfamilie am besten so schnell wie möglich zu reden. Ich hab diese Konversation dann erfolgreich bis zum Wochenende vor mir her geschoben. 

Das Praktische war, dass ich mich am Samstag Morgen mit einer Bekannten in Tonbridge zum Frühstücken getroffen hatte. Sie hatte mir das angeboten, denn als sie erfahren hat, in welcher Situation ich stecke ist rausgekommen, dass sie auch diese Situation hatte. Zwar nicht als Aupair sondern als Austauschschükerin mit 15, aber von der Grundsache das Gleiche. Und manchmal glaube ich echt manche Menschen schickt der Himmel.                                                  Sie war so einer, denn das Gespräch mit ihr hat mir SO geholfen! Denn egal was ich meiner Familie, meinen Freunden erzähle, keiner kann die Situation in der ich mich befinde wirklich nachvollziehen. Sie war die erste, die auch all meine Gedanken, meine Selbstzweifel usw. kannte und mir damit extrem geholfen hat. Dann hat sie mir sogar angeboten, bei dem Gespräch mit meiner Gastmutter (das ich für den gleichen Abend geplant hatte) dabei zu sein, was ich auch angenommen hab. Das Problem am Abend war dann nur, dass es keine Gelegenheit gab irgendwie mit meiner Gastmutter zu reden. Die ganze Familie saß vor dem Fernseher und dabei soll ich sie ja nicht stören.          Also haben wir das Gespräch zumindest vorbereitet und als es dann immer später wurde, habe ich sie zurück zum Bahnhof gefahren und als ich zurück war, mich im Spielzimmer/Esszimmer hingesetzt und einfach gewartet bis jemand kommt. Das hat dann auch funktioniert und letztendlich ging dieses Gespräch auch nicht länger als sonstige Konversationen mit ihr. Entgegen all meiner Befürchtungen hat sie komplett entspannt reagiert und meinte, dass sie nicht sonderlich überrascht sei, da ich auch nicht glücklich wirke. Sie nähme es auch nicht persönlich und wenn ich noch bis Weihnachten bleiben will, ist das auch okay. So kurz das Gespräch auch war, ich war danach so erleichtert, es war wirklich als ob ein Kilo Steine von mir abgefallen wäre.

Am nächsten Tag bin ich dann auch wie regulär geplant mit der ganzen Familie ins Wembley Stadion zum Länderspiel England gegen Kroatien gegangen, was für mich nochmal ein MEGA Ereignis war. Wir hatten wahnsinnig gute Plätze und das Spiel war super spannend und mit etwas Glück hat England am Ende sogar gewonnen, womit der Nachmittag quasi perfektt war. 

Die erste Woche "danach" lief normal wie jegliche andere auch. Die zweite, die gerade vergangene, fing dann am Montag mit einem riesen Krach an. Meine Gastmutter hat mir am morgen, kurz bevor sie mit dem Großem aus dem Haus ist gesagt, dass ich doch bitte über meine Morgenroutine nachdenken sollte, und anstatt mir selbst Frühstück zu machen, Guy helfen soll sein Zeug für die Schule vorzubereiten.In dem Moment habe ich dazu nichts gesagt, erst später hab ich mich dann doch noch ziemlich aufgeregt. Ich hab mich einfach ungerecht behandelt gefühlt und es bin nicht nur ich, die es vielleicht vermieden hat, mit Guy zu reden (weil ich immer angepampt werde) sondern auch er, der immer alles von seiner Mama gemacht haben möchte und nicht auf die Idee kommen würde mich um Hilfe zu fragen. Ich hatte ihr dann tatsächlich einen zettel geschrieben mit dem was ich dazu denke und bin ins Gym (eine Stunde gelaufen, weil "mein" Auto unerwarteter Weise weg war). Als ich dann zurück kam, hat sie mich nochmal angesprochen und dann ist die ganze Sache total eskaliert. Sie meinte dann letztendlich dass es für mich keinen Grund gäbe zu bleiben wenn ich meine Arbeit nicht richtig mache. In dem Moment wurde mir dann aber auch klar, dass ich hier gar nicht bleiben will. Der Tag war ein absoluter Alptraum ich habe Rotz und Wasser geheult und wollte nur noch weg. Ich hab dann noch mit der Agentur gesprochen und den 03. Dezember als Datum festgesetzt, an dem ich gehe.

Familiensuche

Damit komme ich zum zweiten Punkt, der Suche nach einer neuen Gastfamilie. Über Aupairworld hatte ich recht viele Anfragen von Familien bekommen und nur ein, zwei eigene abgeschickt. Noch bevor ich mit meiner Gastfamilie geredet hatte, habe ich angefangen mich mit Familien zu treffen. Das Gute wenn man vor Ort ist, ist wirkllich, dass man die Menschen erst mal "in echt" kennenlernt, was auch nochmal anders ist, als wenn man nur skypet. Und wenn man dann auch noch das Haus gezeigt bekommt, kriegt man noch viel mehr einen Eindruck davon, wie die Famile tatsächlich lebt. 

ich hab mich glaube ich insgesamt mit sechs potentiellen Familien getroffen und mich letztendlich für eine Familie aus dem Londoner Stadtteil Beckenham entschieden. Die haben zwei Mädels, sieben und neun Jahre alt, also ähnlich wie meine Jungs im Moment. Mit Kate, der Mutter, habe ich mich super verstanden und dann hab ich sogar ein paar Stunden mit den Mädels verbracht, wo wir Weihnachtsdeko gebastelt haben. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und mir auch gezeigt, wie sehr ich sowas hier im Moment vermisse. Nach Weihnachten, wenn ich am 04. Januar aus meinem jetzt doch unverhifft deutlich längerem Weihnachtsurlaub zurück komme, fange ich dann bei denen an.

Die momentane Situation 

Da heute der 03. Dezember ist, bin ich heute bei meiner Gastfamilie ausgezogen. Mein Rückflug nach Berlin geht erst am Mittwoch und die zwei Nächte kann ich bei meiner Freundin Verena bzw ihrer Gastfamilie schlafen.                          Heute Morgen hat mich eine andere Freundin mit ihrem Auto abgeholt und wir haben all mein Gepäck zu Verena gebracht. 

ich hatte mir einige Gedanken gemacht, wie denn wohl der Abschied von den Leamans wird und war etwas nervös deswegen heute morgen. Letztendlich hat dieser einfach nicht stattgefunden. Ich war den ganzen Morgen damit beschäftigt das letzte Zeug zusammenzupacken und mein Zimmer halbwegs sauber zu verlassen. Ich habe weder mitbekommen, wie der Große gegangen ist, noch der Rest der Familie. Als ich irgendwann nach unten gegangen bin, war einfach keiner mehr da. Als Debora dann kam und mich abgeholt hat, war der Vater wieder da und ich bin hin, um mich zu verabschieden. Das war dann auch okay, er hat mir alles Gute gewünscht und dass es in der neuen Famile besser wird. Doch das meine Gastmutter nach allem was passiert ist nicht mal den Anstand hatte, sich von mir zu verabschieden, darauf komme ich bis jetzt nicht klar und finde ihr Verhalten auch irgendwie einfach nur kindisch. Dass die Jungs sich nicht verabschiedet haben kann ich irgendwo noch verstehen, aber von einer erwachsenen Frau hätte ich es einfach erwartet. Gerade weil die Engländer ja sonst auch immer so auf Höflichkeit und Anstand bedacht sind.

Aber jetzt ist es endlich zu Ende und darüber könnte ich nicht glücklicher sein. Morgen werde ich all mein Zeug schon zu meiner neuen Gastfamilie bringen, um dann nur mit Handgepäck am Mittwoch zurück nach Deutschland zu fliegen. Auch dieser Gedanke ist nach anfänglichem Schock nun auch nicht mehr so schlimm und ich freue mich sehr auf meine Eltern, meine Freunde, meine Meerschweinchen, mein Zimmer und die Weihachtszeit in Berlin!!!

 

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